Texte – Fotografie

Fotoserien:

Meine Fotoserien sind in Kategorien untergliedert. Das ist allgemein üblich. Dennoch habe ich mit der Zuordnung der Fotos zu einer einzelnen Kategorie Probleme. Häufig erfüllen die Fotos Kriterien mehrerer Genre. Statt mich für eine Kategorie zu entscheiden habe ich die Möglichkeit genutzt, ein Foto verschiedenen Kategorien zuzuordnen.

Internetgalerie:

Die Internetpräsenz meiner Fotos ist auch ein Ersatz für eine reale Hängung. Einfach lassen sich hier verschiedene Kombinationen ausprobieren, verschiedene Reihen bilden, verschiedene Texte erstellen. …

Foto + Text:

Texte sind ein wesentlicher Bestandteil meiner Fotos. Beispiel: Portrait: Birgit E. . Im Sommer des Jahres ihres viel zu frühen Todes, traf ich mich mit ihr in ihrem Garten. Zum Abschied wünschte ich mir von ihr einen Blumenstrauß. Kurz und zielstrebig schnitt und band sie einen  opulenten Pflanzengruß. … Er stand lange bei mir im Atelier. Anfangs labte ich mich an seinem Geruch und Anblick, später am Anblick und schließlich an den Formen seines Zerfalls. … Irgendwann ging es nicht mehr weiter. Da erweckte der Strauß wieder mein Interesse. Blätter waren gefallen, Blüten vertrocknet, aber in diesem vertrockneten Zustand war auch die Zeit geronnen. … Sie veränderte ihn nicht mehr. Wie machtvoll. Eine Zeit, die nichts mehr verändert! Ich war hellwach. DAS war das Bild, das ich suchte. … (Den frischen Strauß hatte ich lediglich beiläufig mit dem Handy fotografiert. Die Werbeseiten sind voll solcher Abbildungen.) Im Winter des gleichen Jahres starb Birgit. Sie war so tapfer, konnte nicht ohne ihre Theatergruppe auskommen, regelte ihren Nachlass, verordnete sich eine strikte Diät. Erinnern aber werde ich lebenslang ihr warmes, lustvolles Lachen. … Beide, die Blumen und Birgit sind nun in Ewigkeit vereint.

Licht + Schatten:

Schatten zu sehen verdanke ich einem Bildhauer und Maler aus meiner Heimatstadt Storkow. Mit 12 Jahren fühlte ich mich von seinem gestalteten Grundstück angezogen. (Haus mit farbiger Kratzputzarbeit, kleines Mosaik mit Taube am Eingang, Akt-Sandsteinplastik im Garten. …) Erwin Rausch, so sein Name, lebte in der Malerei eine Liebe zu bäuerlicher Darstellung und war gleichzeitig von den französischen Impressionisten und deren Farbempfindung beeindruckt. So lernte ich die Farbe in den Schatten zu sehen. In der Natur, wie in den Bildern.

Licht und Schatten auch in der  Erzählung: „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ von Adelbert von Chamisso. Leichtfertig trennte sich in diesem Text der Protagonist von seinem Schatten. … Die Folgen hatte er nicht bedacht und so traute er sich schließlich nicht einmal mehr auf die Straße. … Ich hatte diese Geschichte in einer Ausgabe mit Illustrationen von Ludwig Kirchner gelesen. Für mich war klar: der Schatten, das ist das Unbewusste. Es zu leugnen kam dem Verlust der Seele gleich, mit dem in Afrika „Verrückte“ in Beziehung gebracht werden. (Diese „Verrückten“ werden in der Folge „Vogelfrei“.) … In jedem Fall ist der Schatten offenbar mehr als eine physikalische Kategorie.

Ein anderer Maler mit Einfluss auf meine Arbeiten ist der Amerikaner Edward Hopper. Sein Licht und seine Farben sind nicht von dieser Welt. Er füttert mit seiner Figürlichkeit unser Bewusstsein. Gleichzeitig ist das der Hebel, um mit eigenwilliger Licht- und Farbgestaltung genau dieses Bewusstsein auszuhebeln und damit die Tiefen der Empfindung zu erreichen. Zugespitzt gesagt: Licht und Schatten, reine Erfindung. … In der Gegenwart folgt dieser Spur u.a. der Künstler Thomas Demand. Er baut mit einfachen Materialien reale Situationen nach. Schon hier: Vereinfachung und Interpretation. Das Licht, das er für die Fotografie dieser Welten nimmt, ist fern der Natur. Seine Fotos  bleiben, die Installationen waren nur ein Schritt zum Ziel. …

Barbara Thiel ist Leiterin  von „C-Print“ in Berlin, einem analogen Fotolabor. Zitat: „Zwischen zwei Filmkristallen ist Licht, zwischen zwei Pixeln nicht.“

Schärfe + Unschärfe:

Das Phänomen erlebte ich erstmals während ich in den 80er Jahren  Super-8 Filme schnitt. Der Filmbetrachter, ein russisches Model, war viel zu dunkel für eine Schnittbeurteilung. Ich nahm die Filmstreifen in die Hand und hielt sie gegen ein Licht. Winzige Bilder, ohne Lupe kaum erkennbar. … In der Projektion wurden später daraus 5 Meter Breite oder mehr. Das Korn rauschte wie das Meer und dennoch waren haarfeine Details erkennbar. Wie das? Ganz einfach: die feinen Details verteilten sich auf mehrere Filmbilder und bei einer Wiedergabe von 18 Bildern pro Sekunde entstand der Eindruck von Schärfe.

Warum, so frage ich mich, gibt es noch keine Abhandlung zu Thema „Fuzzy Logic“ in Bezug auf die analoge Fotografie? (Ich verweise auf Lotfie Zadeh) Unschärfe + Mustererkennung sind durchaus fotografische Kriterien. … Für Hinweise bin ich dankbar. (Kommentare)